
Der Weinatlas
Viele Weinliebhaber wie ich haben ihn sicher schon sehnsüchtig erwartet: Hugh Johnsons und Jancis Robinsons neuen Weinatlas mit allen aktuellen Entwicklungen aus der Welt des Weines auf unserem Planeten. Und hier hat sich ja in den letzten Jahren viel getan. Nicht nur durch den Klimawandel, der auch bei deutschen Weinen mächtige, eher überseeisch anmutende Alkoholwerte ermöglicht. Der Weinfreund hat auch immer mehr die Wahl zwischen Weinen aus Bordeaux oder aus Indien, von der Mosel oder aus China. Und die asiatischen Tropfen können sogar richtig gut schmecken, wie ich bei einer Weinprobe mit einem frischfruchtigen Sauvignon Blanc aus Indien erstaunt feststellen musste. (Stuart Pigott hatte die Flasche zu einer Veranstaltung nach Stuttgart mitgebracht.) Bei chinesischem Wein beschränkt sich meine Erfahrung bisher leider nur auf einen süffigen aber eher belanglosen roten “Great Wall” in einem China-Restaurant.
Warum aber soll ein Weinfreund deshalb einen Atlas zu Rate ziehen? Weine – aus welchem Teil der Welt auch immer – kommen von ganz unterschiedlichen Böden, z.B. von einer kalkigen Steilhanglage oder wachsen auf flachem Schwemmland, werden von Morgennebel oder Abendwinden beeinflusst. Und je nachdem auf welchem Boden und in welchem Klima ein Rebstock steht, schmeckt der daraus bereitete Wein sehr verschieden, auch qualitativ ergeben sich erhebliche Unterschiede. Mit dem neuen Weinatlas geben die Autoren jedem Weinliebhaber ein umfassendes Nachschlagewerk an die Hand, das ihm so detailliert wie möglich die Lage zeigt, aus dem der Inhalt einer Flasche stammt.
Der Weinatlas liegt nun als sechste und bisher auch umfangreichste Ausgabe vor. Erneut haben die beiden erfolgreichsten Weinautoren unserer Zeit die gesamte Weinwelt unter die Lupe genommen. Auf über 400 Seiten führen sie den Leser kenntnisreich und kurzweilig durch alle Weinregionen der Welt, zu den bedeutendsten Weinen und ihren Produzenten. So erfahren Einsteiger, Fortgeschrittene und Kenner, was das Besondere an dem jeweiligen Anbaugebiet ist und wie es seine Weine prägt.
Seit der letzten Ausgabe des Weinatlas hat sich viel geändert: fortschreitende globale Erwärmung, Rückbesinnung auf autochthone Rebsorten, wachsendes Interesse am biologischen Weinbau sowie neu hinzugekommene Weinregionen im asiatischen Raum.
Die Texte wurden deshalb vollständig überarbeitet, die Karten aktualisiert. 20 aufsteigende Weinregionen wurden außerdem erstmalig kartographiert. Insgesamt 200 hervorragende Übersichts- und Detailkarten im Maßstab 1:25.000 erklären die Herkunft und geografischen Hintergründe der besten Weine aus allen fünf Kontinenten. Farbig abgebildete Etiketten stellen die wichtigsten Weine jedes Herkunftsgebietes vor.
Ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht wurde das einleitende Kapitel mit allgemeinem Weinwissen, das unter Weinkennern schon lange als eine der besten Einführungen in die Welt des Weins gilt.
Fazit: Für Anfänger wie auch fortgeschrittene und ambitionierte Weinliebhaber unverzichtbar.
(Gerhard D. Wulf/annidivini)
Der Weinatlas