
Der kleine Johnson 2009
Seit über 30 Jahren gibt es den wohl besten ”Weinführer für die Jackentasche”, den kleinen Johnson, jährlich aktualisiert und verbessert von Hugh Johnson und seinem Team. Und wie wir wohl alle, ist auch das Büchlein mit den Jahren dicker und schwerer geworden. Die Jackentasche muss etwas aushalten können: Mehr als 470 Seiten, zwei Zentimeter dick und beinahe pfundschwer enthält er wohl nahezu alles, was man unterwegs über Wein wissen will. Der diesjährige Band wurde um ein “Wein und Essen”-Spezial erweitert, das farbig illustriert einführt in die manchmal komplizierte Beziehung zwischen Speisen und Rebensaft. Hier wird unter anderem die Grundsatzfrage geklärt, was Vorrang habe, Essen oder Wein. Sechs Sommeliers aus aller Welt verraten ihre Lieblingskombinationen und verblüffen zuweilen, wie Hendrik Thoma mit seinem Tipp, Sauternes zu Austern zu servieren.
Daneben fehlen natürlich nicht die bewährten Extras wie eine Bewertung der Jahrgänge, die Vorstellung der wichtigsten Rebsorten, wobei ich leider immer noch den Schwarzriesling vermisse, der ja als Pinot Meunier in der Champagne sehr wichtig ist und auch bei uns in Württemberg recht interessante Schaum- und Stillweine ergibt. Außerdem für mich jedes Jahr aufs Neue rätselhaft, warum Johnson die Madeira-Rebsorte Sercial als Riesling kolportiert, dies aber nicht genauer belegt. Von der Säure her könnte eine Verwandschaft ja bestehen und äußerst langlebig ist der daraus gewonnnene grünbraungoldene Nektar auch, wie ich an einem 1935er Sercial mit Vergnügen feststellen konnte …
Sehr hilfreich auch immer wieder die zahlreichen Empfehlungen in der Sektion “Wein und Essen”, die wichtigsten Termini der Weinsprache und die Hinweise zur Serviertemperatur insbesondere bei Rotwein: Man kann es tatsächlich – auch Gastronomen – nicht oft genug sagen, dass “Zimmertemperatur” Unsinn ist, sofern man damit mehr als 18 Grad Celsius meint und sehr viele meinen damit deutlich mehr als 20 Grad. Und leichtere Rotweine sind sogar eher wie Weißweine zu behandeln und recht kühl bzw. “kellerkalt” bei etwa 12 Grad zu servieren, wie die Weine aus dem Beaujolais oder den Trollinger aus Württemberg.
Insgesamt werden 15.000 Weine, Produzenten und Jahrgänge aus aller Welt vorgestellt, sogar Markenweine von Torres oder Mondavi wurden getestet. Mehr Weinwissen in so komprimierter Form und doch unterhaltsam mit einer Prise britischem Humor geschrieben, findet man nirgends.
(Gerhard D. Wulf/annidivini)
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Der kleine Johnson 2009