Eines vorweg: Dies ist kein Kochbuch für Hobbyköche, die immer den neuesten Kick suchen sondern eines für die,
die auch unter der Woche einfach und schnell etwas tolles kochen möchten. Die meisten Gerichte dürften uns schon in der einen oder anderen Form begegnet sein und bieten wenig Überraschung. Aber bei genauem Durchlesen fällt auf, dass sich Sarah Wiener dem sogenannten Einfachen mit viel Liebe widmet und dabei ein durchaus empfehlenswertes Jedentag-Kochbuch herausgekommen ist.
Im Vorwort schreibt sie, dass für sie in ein gutes Kochbuch Rezepte gehören, die einfach und verständlich geschrieben sind. Diese Versprechen löst sie ein: Man bzw. frau kann nach diesem Buch problemlos kochen, die Details stimmen.
Aber noch ein weiteres Anliegen hat die Autorin beim Kochen: Respekt und Aufmerksamkeit für unsere Natur und Achtsamkeit in Sachen Tierzucht, Herstellungsmethoden und deren Folgen. Diese Idee umrahmt in gewisser Weise das ganze Buch und viele Tipps oder Hintergrundinformationen drehen sich um eben diese Fragen. Allerdings ohne den erhobenen Zeigefinger. Sarah schreibt selbst, dass sie auch nicht immer “bio” isst und durchaus auch mal nicht regionale Produkte verwendet.Â
Beim Thema “Geflügel” zum Beispiel stellt sie deutlich die Unterschiede zwischen dem zu 98 Prozent konventionell erzeugtem Fleisch und Bio-Qualität dar: Hier 20 Hähnchen pro Quadratmeter auf Beton und ständig medikamentiert, dort Freilauf, Platz und gutes Futter. Natürlich muss der Preis für solches Fleisch deutlich höher (ca. 4 bis 5 mal soviel n. m. E.) sein, aber – und das wird wohl jeder Koch und Esser bestätigen können, der es schon einmal probiert hat – es schmeckt unvergleichlich viel besser. Schade, dass man solche Qualität heute fast nur noch als Bioware oder mit Glück direkt beim Kleinerzeuger finden kann.
Wer sich diesen Luxus leisten will, der bekommt von Frau Wiener jede Menge Rezepte für fleischlose und doch köstliche Gerichte, die nicht die Welt kosten und den Etat nicht überstrapazieren. Es mag ja banal klingen, aber eine Küche hauptsächlich mit Kartoffeln, Reis, Nudeln und Gemüse kann unter der Woche durchaus schmackhaft, abwechslungsreich, gesund und preiswert die hungrigen Mägen füllen und es bleibt noch was für einen richtig guten Sonntagsbraten bester Qualität übrig. So wurde auch noch in meiner Kindheit von meinen Eltern gekocht und es wurde auch uns Kindern nicht langweilig, wenn es eben nicht immer Fleisch gab.
Alles in allem ein rundum gelungenes Kochbuch mit dem passenden Untertitel: natürlich, phantasievoll, köstlich!
(Gerhard D. Wulf/annidivini)
Sarah Wiener: Frau am Herd
