Archiv für die Kategorie „Häufige Fragen“

Schiller, Rotgold, Rosé, Blanc de Noirs oder Weißherbst?

Sonntag, 19. August 2007

Viele Kunden oder Seminarteilnehmer sind sich bei der Vielfalt der deutschen Bezeichnungen für roséfarbene Weine unsicher, was nun genau ein solcher Wein ist, vielleicht sogar einfach eine Mischung aus Rot- und Weißwein? Beim württembergischen Schillerwein und beim badischen Rotgold trifft die Vermutung zumindest im Ansatz zu: Hier werden tatsächlich rote und weiße Trauben wie z.B. Dornfelder und Kerner gemeinsam geerntet und gekeltert und dann zu einem rotgold “schillernden” Wein ausgebaut, daher auch der im Schwäbischen gebräuchliche Name, der nicht von der roten Lockenpracht des Dichterfürsten herrührt.

Die Ursache für diese heute ungewöhnliche Verarbeitung liegt in der Geschichte des Weinbaus im süddeutschen Raum, wo bis in die Fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts vielerorts noch rote und weiße Sorten im sogenannten “gemischten Satz” einträchtig miteinander im Weinberg standen und demzufolge auch gemeinsam gelesen und gepresst wurden. (weiterlesen…)

Korkwein erkennen?

Freitag, 10. August 2007

Korkweine machen es dem Weinfreund manchmal leicht: Schon das erste Schnuppern am Korken nach dem Herausziehen zieht einem fast die Nasenflügel zusammen, so widerlich modrigmuffig riecht das Baumrindenstück und dann auch der davon verdorbene Wein.

Häufig aber ist der Korkton am Korken zunächst gar nicht und am ausgeschenkten Probeschluck nur als ein Hauch erspürbar, weil der Wein an sich ein starkes Aroma hat. Wie kann man dann sicher überprüfen, ob der Wein tatsächlich kontaminiert ist?

Machen Sie es einfach, wie ich es von einem Winzer gelernt habe: Schütten Sie die gleiche Menge Wasser zu dem Probeschluck ins Glas und schnuppern Sie dann noch einmal daran. Das Wasser verdünnt den Wein und lässt das Weinaroma in den Hintergrund treten, während der Korkfehlerton deutlicher zu erkennen ist, so vorhanden.

(Gerhard D. Wulf/annidivini)
 

Korkwein zum Kochen?

Donnerstag, 9. August 2007

Bei meinen Weinseminaren oder bei Kundenberatungen im Verkauf wird mir immer wieder die Frage gestellt, ob man Wein mit einem Korkfehler nicht wenigstens noch zum Kochen nehmen kann. Manche schwören darauf, dass man das ohne weiteres könne und sich der Korkmuffton beim Kochen verflüchtigt. Stimmt das denn?

Nach meiner Erfahrung – und ich habe es ausprobiert, allerdings ohne damit wirklich kochen zu wollen – verschwindet dieser Geruch und Geschmack nämlich nicht, im Gegenteil, er konzentriert sich im Rest der Flüssigkeit und außerdem stinkt die ganze Küche nach dem verdorbenen Wein. Wer mag, darf es gerne selbst testen, aber bitte nur den fehlerhaften Wein in den Topf geben und nicht den Braten dazu, es wäre schade darum.

Meiner Meinung nach gibt es bei Korkwein nur eine Verwendungsmöglichkeit, nämlich den Ausguss oder, wenn der Händler bzw. der Winzer kulant ist, die Rückgabe zwecks Umtausch. Und vielleicht stellen endlich noch ein paar mehr deutsche Produzenten wie der von mir sehr geschätzte P.J. Kühn aus dem Rheingau auf den Stelvin-Schraubverschluss um, der lange erprobt ist und z.B. den Kunden bei Überseeweinen zu 15 Euro und mehr auch kein Problem macht.
(Gerhard D. Wulf/annidivini)